Wie im echten Leben

Ouistreham

Feelgood-Drama, Frankreich, 106 Minuten

KINOSTART: TBA

SYNOPSIS

Marianne (Juliette Binouche) schlüpft in ein neues Leben auf Zeit. Ihre wahre Identität verhüllend begibt sich die bekannte Schriftstellerin in der nordfranzösischen Hafenstadt Caen auf Jobsuche – ohne nennenswerte Erfahrungen oder Referenzen. Sie will verstehen, wie der Arbeitsalltag vieler tatsächlich aussieht. Bei den örtlichen Behörden erhält sie direkt das Prädikat „schwer vermittelbar“ und reiht sich so in die Masse derer, die ihr Dasein am Existenzminimum frönen. Marianne findet einen Job als Putze: Ein wahrer Glücksfall – extrem harte Arbeit mit wenig Aussicht auf faire Bezahlung. Die Freude ist jedoch von kurzer Dauer, denn freie Meinungsäußerung ist hier eher unüblich und Marianne erhält wegen „vorlautem“ Benehmen die sofortige Kündigung. Diesmal ist Marianne bei der Jobsuche nicht mehr allein. Sie erfährt überwältigende Unterstützung bei den Frauen, die das tägliche Schicksal mit ihr teilen. Besonders mit der taffen Christele, die sich als Single-Mum mit mickrigem Lohnzettel mehr schlecht als recht durchs Leben schlägt, freundet sie sich schnell an. Dank ihr schafft es Marianne in die Putzkolonne des Fährhafens: 230 Kabinen warten täglich darauf in einer Rekordzeit von 1,5 Stunden gesäubert zu werden – ohne zu schmuddeln! Marianne spürt nun die geballte Kraft finanzieller Nöte und sozialer Unsichtbarkeit. Aber wie alles im Leben, lässt sich vieles leichter ertragen, wenn man gemeinsam Knochenarbeit leistet. Das Band aus Freundschaft, Solidarität, und Herzlichkeit, das diese hinter den Kulissen arbeitenden Frauen verbindet, ist ein wertvolles Geschenk. Und Marianne gehört dazu. Skrupel übermannen die Schriftstellerin, speziell hinsichtlich des Verrats, den sie an ihrer neu gewonnenen Freundin Christele begehen wird. Sie muss aber den Preis zahlen und die gewaltige Geschichte dieser starken Persönlichkeiten erzählen. Denn kein anderer wird es tun!

Mit ihrer mitreißenden Reportage „Putze: Mein Leben im Dreck“ beschreitet die berühmte Journalistin Florence Aubenas 2010 einen außergewöhnlichen investigativen Weg und hat Erfolg. Angelehnt an ihr eindringliches Porträt derer, die von „ganz unten“ unentbehrlichen Dienst an der Gesellschaft leisten, lässt Regisseur Emmanuel Carrère ein aufrüttelndes und zutiefst berührendes Kinoerlebnis entstehen. Neben einer grandiosen Juliette Binoche, sind es vor allem die starken Frauen aus Caen, die sich in einer herausragenden schauspielerischen Leistung und mit viel Leidenschaft selbst verkörpern und somit diesen Film auf eine wahrhaftige Stufe heben – unterbezahlt, unentbehrlich, aber nicht mehr ungesehen!

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